2007 – Ich ziehe nach Norwegen


Ein Tagebuch



Der Abend vor dem Tag der Abreise (Dienstag - 30.01.2007): 

Die kreative unter meinen Freundinnen, Kathrin, hatte mich ohne Vorwarnung mit meinem Vater verabredet. Vorher soll ich noch zu ihr fahren. Um 16:00 Uhr soll ich bei ihr sein. 16:30 Uhr angekommen, überreiche ich ihr eine enorm wichtige DVD und begebe mich zum Stepper. Über allerlei unwichtige Dinge redend, steppe ich vor mich hin. Eigentlich redet Kathrin die ganze Zeit, aber das spielt keine Rolle, denn das Gespräch ist wenig fruchtbar, Smalltalk sozusagen, ich steppe vor mich hin und bin in Gedanken schon ganz woanders. Kurz vor 17:00 Uhr gehen wir zu meinem Vater, der nur ein paar Häuser weiter wohnt. Die Tür geht auf und binnen weniger Augenblicke entzieht sich meiner Umgebung nahezu jeglicher Sauerstoff. Ich betrete die Raucherwohnung. Mein Vater hat noch eine Zigarette an, mein Bruder ist bestimmt gerade erst aufgestanden und wird sich sicher in den nächsten Sekunden einen Kotzbalken ins Gesicht schieben. Mein Vater öffnet das Fenster nachdem ich einige Male huste wie jemand, der 50 Jahre lang Kette geraucht hat. Man redet über dies und das und verabschiedet sich nach etwa anderthalb Stunden und dem Versprechen, sich so bald wie möglich nach der Ankunft in Norwegen zu melden, denn ich bin noch mit Katrin (ohne „h“) verabredet. Mein Kriegelchen wartet schon in ihrer Wohnung, in der die meisten Schränke nahezu leer sein müssen, weil so ziemlich alles vorhandene gut sichtbar zur Nutzung bereit liegt. Die einzige offensichtliche Ausnahme bildet der Kühlschrank. Der ist so voll, dass ich nicht wüsste, was ich zu erst essen sollte. Aber zum Glück entdecke ich außerhalb meines liebsten Möbelstückes einige Duplos, die ich umgehend zu mir nehme. Wir sitzen in der Küche und unterhalten uns angeregt über allerlei interessante Dinge. Es gibt noch einige Baguette, dann muss Söhnchen Paul schon bald ins Bett. Wir sitzen noch ewig in der Küche und plaudern, über dies und das. Katrin liest aus einem kürzlich gelesenen Buch vor. Was für ein schöner Abend. Mit Katrin verfliegt die Zeit immer wie im Flug. Plötzlich ist es 2 Uhr nachts. Sie bringt mich noch zu Michi nach Hause. Als ich das Licht ausmache, ist es 2:30 Uhr.


Tag der Abreise (Mittwoch - 31.01.2007):

Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker, viel zu früh. Um 7:30 Uhr stehe ich auf, schalte umgehend die Waschmaschine ein und erledige allerhand Dinge. Die Wohnung von meinem Michi sieht aus wie eine alte Rumpelkammer. Oh lieber Himmel, wenn er das sieht. Ich sehe schon vor mir, wie sich seine Stirn in Falten legt.

Schnell wird alles Gerümpel in einen großen Umzugskarton gesteckt, der umgehend mitsamt dem Inhalt des Katzenklos in der Mülltonne auf dem Hof verstaut wird. Nebenbei wasche ich das Geschirr ab und räume auf. Ich versuche noch einige Dinge einzuscannen, aber die Technik streikt. Der Zeitverlust zwingt mich, auf eine Dusche zu verzichten und die Tasche in aller Eile zu Ende zu packen. Sie ist am Ende so schwer, dass ich fürchte, dass der Griff abbrechen könnte, wenn ich sie eine Weile trüge. Ich telefoniere noch schnell mit meinem Michi, er muss die SIM-Karte für Sandra zur Post bringen und das Einscannen für mich übernehmen. Alle haben gesagt, man muss mindestens 2 Stunden vor Abflug am Flughafen sein, wenn man in ein Land außerhalb der EU fliegen will. Da ich selbst noch nie geflogen bin, ist auch das für mich neu. Ich wuchte die schwere Tasche zur Bahn, nachdem ich mich von meiner Tigermiezimauzi verabschiedet habe.
Nun muss sie mehrere Monate ohne mich sein und ich ohne sie. Ob das gut geht? Ich vermisse sie schon jetzt, seit 17 Jahren sind wir wie Pech und Schwefel. Ich muss in den Bus zum Flughafen Tegel umsteigen. Zu meiner Verwunderung bin ich der einzige Fahrgast mit nennenswertem Gepäck. Ich betrachte Berlin durch das Busfenster. Was für eine hässliche Stadt. Wenn nicht zwei Hände voll guter Freunde hier wohnen würde…
In Dresden waren mir alle Menschen zu konservativ, da ist mir Berlin schon lieber, viel bunter, internationaler, interkultureller, toleranter, offener… aber hässlich und es stinkt, die berühmte und besungene Berliner Luft ist schlicht einfach dreckig. Ich schaue auf die Anzeige im Bus, die nächste Station ist Flughafen Tegel. Plötzlich habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Zum ersten Mal Zweifel am Sinn der Unternehmung „Umzug nach Norwegen“. Was tue ich hier? Ich war doch bis eben total ruhig, völlig unaufgeregt. Ich fliege nach Norwegen, na und? Ich will dort arbeiten, wohnen, leben, na und? Andere tun es auch, also kann ich’s schon lange. Es ist 2 Stunden und 5 Minuten vor Abflug. Am Flughafen angekommen suche ich den Check In von SAS. Villi hatte mir noch 2 Tage vorher versichert, dass man an diesem Flughafen immer nur im Kreis laufen muss und dadurch sein Ziel quasi gar nicht verfehlen kann.

Nachdem ich mich von einer netten Dame an einem Schalter, dessen Zweck ich nicht herausfinden konnte, vom Gegenteil habe überzeugen lassen, begebe ich mich in das Nebengebäude. Der Check in beginnt überhaupt erst 1,5 Stunden vor Abflug. Ich bin völlig entspannt. Der Check in beginnt. Der nette Herr am Schalter wiegt die Reisetasche. 38kg zeigt die Waage, nachdem er mir 5kg Kulanz gewährt hat, muss ich nur noch 130,-€ für das Übergepäck bezahlen. Das ganze Ticket hatte nur 92,-€ gekostet. Aber davon lasse ich mir meine gute Laune nicht verderben. Nach einer weiteren Stunde völlig entspannten Wartens können sich die Fluggäste auf den Weg zum Flugzeug machen. Ich traue meinen Augen kaum. Das Flugzeug ist so klein, dass es sich hier nur um einen Scherz handeln kann. Drinnen ist es eng, sehr eng. Das ganze Flugzeug ist kaum breiter als eine Straßenbahn, wenn man von den Flügeln absieht. Ich bin mir sicher, dass wir abstürzen werden. Von diesen Gedanken kann mich auch die sehr schicke Flugbegleiterin nicht abbringen, als sie uns die Funktionsweise der Warnweste erklärt. Ich frage mich, wer in aller Welt mich mit dieser witzigen Pfeife pfeifen hören sollte, wenn ich in der Ostsee treibe. Ich hoffe doch, man würde mit einem Hubschrauber nach mir suchen und nicht mit einem Ruderboot. Mein erster Start in einem Flugzeug verläuft ganz entspannt. Aber ich frage mich, ob wir wirklich so hoch fliegen müssen. Meine Höhenangst hält sich aber trotz meines Fensterplatzes auf der rechten Seite des Flugzeugs in Grenzen, bis wir plötzlich eine scharfe Rechtskurve fliegen. Zum Glück hatte ich gleich nach dem Einsteigen nach der Tüte gesucht und diese auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Sie ist aus Papier, aber unten recht dick. Ich werde ja auch nicht der erste sein, der sie braucht. Nach etwa einer Stunde landen wir in Kopenhagen. Meine Tüte ist immer noch unbenutzt. Das Flugzeug hat trotz des Rüttelns und Schüttelns gehalten, der Pilot hat seinen Beruf offenbar gelernt und ich steige etwa 2 Jahre älter aus dem Flugzeug aus. Der Flughafen in Kopenhagen ist um einiges größer als der Flughafen Tegel. Zum Glück hat meine Reisetasche solch praktische Rollen. Ich sitze im Wartebereich meines Gates und bin gespannt, ob das Flugzeug nach Oslo auch so ein winziges Ding ist. Und während ich so sitze und warte und in dem Buch, dass mir Katrin am Vorabend geschenkt hat, schmökere, schweifen meine Augen in einer kurzen Lesepause durch den Raum und bleiben bei einer wegen ihrer zwei Zöpfe etwas holländisch aussehenden Norwegerin hängen. Sie trägt die Hosen wie ein Mann, nicht so eng, wie es die meisten Frauen aus sich mir bisher nicht erschlossenen Gründen tun, können es sich doch die allermeisten gar nicht leisten, hautenge Hosen zu tragen. Sie sieht von hinten genauso gut aus, wie von vorn und hat große Kulleraugen, die recht freundlich dreinblicken. Vielleicht ist sie Handballerin, Schwimmerin oder Fußballerin. Jedenfalls hat sie einen sehr schönen Rücken. Ich freue mich auf Norwegen. Mit etwa einer Stunde Verspätung startet der Flieger nach Oslo. Er ist etwas breiter als der letzte, aber es schüttelt und rüttelt trotzdem. Meine Vorfreude auf Norwegen wächst weiter, nachdem ich wieder eine ganz doll schicke norwegische Stewardess entdeckt habe. Nach 25 Minuten fährt der nächste Bus nach Vestby, dem Ort, in dem ich in den nächsten Wochen wohnen werde. Nachdem mir die Busfahrerin versichert hat, die richtige Station zu kennen, lehne ich mich beruhigt zurück. Ich entdecke ein Schild auf dem steht: „Vestby nord“, einige Augenblicke später folgt ein weiteres: „Vestby sentrumet“. Am nächsten: „Vestby sud“ fährt der Bus von der Autobahn ab und hält an einer Station an. Ich frage die freundliche Busfahrerin, ob sie mir vielleicht sagen könne, wie ich denn von hier zum Hyttepark komme. Ein netter Mann im Bus sagt mir, dass ich dazu in „Vestby nord“ hätte aussteigen müssen, es wären etwa 3,5 km zu laufen. Die Busfahrerin, der man ihr schlechtes Gewissen ansehen kann, eilt zum Telefon, um mir ein Taxi zu bestellen. Der nette Mann erklärt mir, ich solle zu der etwa 100 Meter entfernten Tankstelle gehen und dort auf das Taxi warten. Mittlerweile ist es 19:00 Uhr und ich befinde mich mitten auf dem Land in Norwegen, habe eine schwere, weil voll gestopfte Laptoptasche und eine 38 kg schwere Reisetasche dabei und es ist Winter. Nachdem das Taxi, das in ca. 20 Minuten da sein sollte, nach 30 Minuten immer noch nicht da ist und ich mir ausgemalt habe, was das Taxi wohl gekostet hätte, beschließe ich, die 3,5 km zu laufen. Der nette Tankwart erklärt mir den Weg und ich laufe los. Es geht lange leicht bergauf. Die 38 kg - Tasche wird mit der Zeit immer schwerer. Es gibt auch keinen Gehweg. Dummerweise habe ich immer dunkle Sachen an und die Tasche ist ebenfalls schwarz. Deswegen traue ich mich nicht so recht, auf der Landstraße zu laufen und ziehe die Tasche mehr oder weniger neben der Straße durch den Schnee. Mit „secret lands“ von Sandra, „steel claw“ von Tina Turner und anderer motivierender Musik im Ohr spiele ich den Schneepflug. Die Landschaft ist traumhaft, aber wahrscheinlich ist es besser weil entspannender, sich die Gegend mit weniger Gepäck anzuschauen. Ich jedenfalls kann sie im Augenblick nicht so recht genießen. Nach etwa einem Kilometer wird es der Tasche zu viel, und ihr Griff verabschiedet sich. Wahrscheinlich ist die Tasche nicht dafür ausgelegt gewesen, ein solches Gewicht durch den Schnee zu ziehen. Ich ziehe die Tasche nun am Tragegriff. Das ist etwas unbequemer, aber es sind ja nur noch 2,5 Kilometer, wenn der Weg stimmt. Nach etwa einem halben weiteren Kilometer komme ich an einer Tankstelle vorbei. Ein netter Mann, weder des Deutschen noch des Englischen mächtig, spricht mich an und deutet dabei immer wieder auf sein Auto. Ich vermute, er will mir zu verstehen geben, dass ich einsteigen soll. Prinzipiell halte ich die Idee für gut. Aber wie soll ich ihm erklären, welches mein Ziel ist? Nach einigen Erklärungen mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Norwengleutsch fahren wir zumindest in die richtige Richtung. Ich denke mir, jeder Meter, den ich nun meinem Ziel näher komme ist ein guter Meter, Hauptsache weiter. Der Mann hält plötzlich an und deutet auf ein Hotel. Ich kann ihm nicht verständlich machen, dass ich dort nicht hin möchte. Aber zum Glück habe ich ja einen ganz dolle tollen Laptop, den ich umgehend hochfahre, um dem netten Mann die Adresse des Hytteparks zu zeigen. Es steht auch eine Telefonnummer dabei, die er sogleich anruft. Der Mann, ein kurdischer Einwanderer, wie sich später herausstellen wird, spricht fließend norwegisch, so weit ich das beurteilen kann. Zumindest bin ich wenige Minuten später am Ziel des heutigen Abends:
Vestby Hyttepark!

„Jeg vil betale for hjelpen.“ sage ich und zücke das Portemonnaie. Aber der Mann lächelt nur freundlich und fährt seiner Wege. Weitere Minuten später, es ist nun schon 20:30 Uhr, falle ich in ein Bett in einem Dreibettzimmer, dass ich aber offenbar ganz für mich allein habe und schlafe binnen weniger Minuten ein…



Tag 1 nach der Ankunft: 01.02.2007:

Ich wache zum ersten Mal im Hyttepark auf. Es ist kurz vor 8:00 Uhr. Nachdem ich mich kurz frisch gemacht habe, gehe ich gegen 10:00 Uhr zur Rezeption, um nach einer Busverbindung vom Hyttepark in Vestby nach Vinterbro zu fragen. In der Rezeption erklärt man mir erstaunt, dass hier überhaupt kein Bus führe. Ich müsse zum Bahnhof laufen, um dann mit dem Zug nach Ås zu fahren. Von dort führe ein Bus nach Vinterbro. Der Bahnhof ist etwa 3,5 km entfernt. kurz nach 10:00 Uhr mache ich mich auf den Weg. Ich laufe die Straße, entlang, über die ich am Vorabend in den Hyttepark gekommen bin. Die Straße ist lang. Das soll jetzt jeden morgen in aller Herrgottsfrühe mein Arbeitsweg sein?

Nach knapp 40 Minuten komme ich am Bahnhof an. Den Fahrplan kann ich entziffern. In 25 Minuten muss mein Zug kommen. Ich warte, und vertrete mir wegen der winterlichen Temperaturen ein wenig die Füße. Der Zug kommt. Ich steige ein. Dass die Züge sehr komfortabel sind, sehe ich auf den ersten Blick. Dass ich im Zug Richtung Moss sitze erst auf den zweiten. Schnell steige ich wieder aus und wechsle den Bahnsteig. Ich muss doch in den Zug Richtung Oslo. Die Bahnsteige haben hier keine Bezeichnungen und es steht auch nirgends ein Hinweis, auf welcher Seite des Bahnhofes welcher Zug fährt.

Dafür haben die Züge hier extra Abteile für Monatskarteninhaber vorn und hinten im Zug. Im Mittelteil kann man dann beim Schaffner Einzelfahrscheine kaufen.

Einige Minuten später sitze ich im richtigen Zug und bezahle die 33 Kronen, die der Schaffner bis Ås haben will. Etwa 5 Minuten später bin ich in Ås. Nachdem ich vergebens die richtige Bushaltestelle gesucht habe, frage ich in der Bahnhofsgaststätte nach der Busverbindung nach Vinterbro. Der nette Herr hinter der Theke erklärt mir freundlich, dass kein Bus direkt nach Vinterbro führe, ich müsse erst mit einem anderen Bus nach Ski fahren und dort umsteigen. Ich begebe mich zur Haltestelle. Nach weiteren reichlichen 20 Minuten kommt der Bus endlich. Ich bezahle noch einmal fast 50 Kronen. Dafür, erklärt mir der nette Fahrer, müsse ich nach dem Umsteigen nicht noch mehr bezahlen. Nach 25 Minuten bin ich in Ski und habe direkt Anschluss nach Vinterbro. Dieser Bus benötigt noch einmal etwa 15 Minuten. Ich stehe vor dem Vinterbrosenteret.

Nach kurzer Suche finde ich einen Informationsstand an dem mir eine wirklich nette und nett anzuschauende junge Frau den Weg zum Kveldroveien 7 erklärt. Sie druckt mir sogar eine Wegebeschreibung aus. Ich gehe noch schnell ein paar Lebensmittel in dem Supermarkt kaufen, wobei ich feststelle, dass Lebensmittel auf den ersten Blick das einzige ist, was wesentlich teurer als in Deutschland ist. Ich kaufe ein Weißbrot für umgerechnet 1,- €, ein Kg Wiener für umgerechnet 7,50 € und 400 Gramm Kartoffelsalat für 2,50 €. Ich finde das abgesehen vom Kartoffelsalat, auf den ich aber unter keinen Umständen verzichten konnte, für einen Dorfsupermarkt durchaus in Ordnung. Allerdings hoffe ich noch, dass der Hackepeter irgendwo billiger zu bekommen ist als für ca. 10,-€ das Kilo. Wie sich später herausstellen wird, ist diese Hoffnung vergebens. Interessant ist, dass man an der Fleischtheke eine Nummer ziehen muss, und es sich, bis man an der Reihe ist, auf Sitzgelegenheiten bequem machen kann. Voll gepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, begebe ich mich nun zum Lidl-Lager in Vinterbro. Nachdem ich erst etwa einen halben Kilometer in die falsche Richtung gelaufen bin, befinde ich mich nun dank der Hilfe einer mit ihrem Hund Gassi gehenden Frau auf dem richtigen Weg. Die Gehwege sind nicht überall geräumt, und da hier den ganzen Winter nichts weg schmilzt, stecke ich ab und zu Knietief im Schnee. Das ist für einen Berliner etwas ungewohnt, aber ich schaffe das. Nach einigen Minuten komme ich an einer Autobahnabfahrt an. Hier endet der Fußweg, um auf der anderen Seite der Autobahn wieder zu beginnen. Schnell und umsichtig überquere ich die Autobrücke. Einige Autofahrer schauen etwas verwundert, warum sich hier ein Fußgänger befindet. Aber das ist mir lieber, als dass sie mich übersehen. Auf der anderen Seite merke ich, dass die Einkaufstüten hier scheinbar wenig nützen. Nachdem ich die eingerissene Tüte entsorgt, und meine Einkäufe in meine Laptoptasche gestopft habe, setze ich meinen Weg fort. Endlich am Ziel. Fast 3,5 Stunden, nachdem ich mich im Hyttepark auf den Weg gemacht habe, sehe ich ein Schild, auf dem blau auf gelb „Lidl“ geschrieben steht.

Noch nie hat dieses Schild in mir so positive Gefühle geweckt wie heute. Allerdings ist mir nach diesem Arbeitsweg und den 10,-€ die ich für diese Tour berappt habe, die Lust hier zu arbeiten gründlich vergangen. Ich beschließe bald wieder nach Deutschland zurückkehren. Am Lager angekommen, frage ich nach meinem zukünftigen Chef. Etwa 20 Minuten später sitze ich umringt von deutschen Mitarbeitern in seinem Büro. Alle zeigen sich sehr hilfsbereit und erklären mir, dass alles nur halb so wild sei und überhaupt eigentlich ganz einfach. Noch bin ich skeptisch. Seit wann ist irgendetwas einfach, hier in Norwegen? Der Vertrag ist für norwegische Verhältnisse annehmbar und für ostdeutsche Verhältnisse utopisch. Das stimmt mich froh. So hat sich die Reise und der ganze Stress der Vorbereitung doch gelohnt. Einige der deutschen in der Runde kommen mir bekannt vor. Sie hatten an der Vorstellungsrunde im November teilgenommen, bei der ich auch zugegen war. Heino ein scheinbar stressresistenter, absolut entspannter Hanseate aus Rostock und Tobi aus irgendeinem Dorf im Osten Deutschlands sind tatsächlich hilfsbereit und bilden mit mir abwechselnd eine Fahrgemeinschaft. Heino fährt tierisch auf meine DVD-Sammlung ab und wird sich fortan alle 2 oder 3 Tage einige DVDs ausborgen. Gleich nach Feierabend kaufen er und ich eine Prepaidkarte für das norwegische Handynetz nebst einer 100,-Kronen Prepaidkarte. Nun bin ich in Norgwegen auch über das Handy erreichbar. Auf dem nach Hause Weg komme ich an einer Dönerbude vorbei. Meine Freude über diese Entdeckung entschwindet angesichts der horrenden Preise hier genauso schnell, wie sie gekommen ist. Für einen Döner kann man hier mal umgerechnet 8,-€ zahlen. Auch angesichts des kleinen Getränks, dessen man sich offensichtlich inklusive erfreuen dürfte, ist mir dieser Preis entschieden zu hoch. Vielleicht ändert sich das ja mit der ersten Lohnzahlung…

Wieder im Hyttepark angekommen, lege ich die müden Beine hoch und freue mich, dass ich hier bin. Ich finde Norwegen klasse und beschließe hier zu bleiben.



Februar:

Ich habe heute meinen ersten richtigen Arbeitstag. Die beiden anderen Deutschen, Tobi und Heino, nehmen mich mit zur Arbeit. Das wird auch in den folgenden 2 Wochen so sein. Die Arbeit ist nicht sehr anspruchsvoll, vielleicht vergleichbar mit der Anlage von Kunden oder Aufträgen in der AV oder dem Zurückmelden von Wiegescheinen… Manch einer wird wissen, was ich meine. Aber zumindest sitzt man sich hier nicht den Hintern breit, während man sich langweilt. Außerdem kann man mit einem kleinen Elektroflitzer umherheizen. Interessanterweise arbeiten hier überhaupt keine Norweger als Kommissionierer. Die meisten sind Afrikaner oder Araber. Viele kommen aus der Ecke Pakistan, Syrien, Iran und ähnlich weit entfernten Ländern. Allesamt sehr nette Leute. Besonders Tolu, der mir Oslo ein bisschen zeigen will. Sehr witzig ist Sattar aus Pakistan. Sattar spricht weder besonders gut norwegisch noch englisch. Aber man findet immer einen Weg, sich verständlich zu machen. Geschickt ist er auch. Man kann viele Dinge in eine Bananenkiste einpacken und diese dann mit dem Deckel zu machen. Sattar kann das auch anders herum. Man fülle die Sachen in den Deckel und schließe ihn mit der kleineren Kiste…

Das versetzt einen Theoretiker wie mich natürlich in Erstaunen. Hier zeigt sich die Überlegenheit des Praktikers gegenüber dem Theoretiker in bestimmten Situationen. Vielleicht muss man aber einfach auch nur Kickboxer sein, um solche Werke zu vollbringen. Die Afrikaner sind total kommunikativ. Man kann schon mal am weiter arbeiten gehindert werden, weil sich vor einem eine Traube schwarzer Menschen gebildet hat, die lauthals diskutieren oder zusammen singen und tanzen, natürlich während der bezahlten Arbeitszeit. Rhythmusgefühl scheinen sie alle zu haben. Nett sind sie auch alle, einige sogar witzig. Aber wenn es darum geht, nach der Pause wieder einzuchecken, damit die bezahlte Arbeitszeit abgerechnet werden kann, sind sie ganz schnell. Da kann man auch schon einmal einen schwarzen Hünen sich wie eine Sirene wiederholend „Go out of my way! Don’t stop me! I’m coming from break. Time is money! ... Don’t Stop me! I’m coming from break. Time is money!” rufen hören, während er auf einem Elektroflitzer vom Pausenraum durch die Lagerhalle zum einchecken düst. Tja, und so lernen auch einfache Lagerarbeiter wichtige betriebswirtschaftliche Regeln für sich zu nutzen: „Time is money!” Zum Glück wenden einige von ihnen diese Erkenntnisse nicht beim Arbeiten an, sonst würden sicher viel weniger sehr gut bezahlte Überstunden für mich herausspringen. Hier in Norwegen kann es ein einfacher Lagerarbeiter im Augenblick auch schon mal auf 40.000,-NOK brutto in einem Monat bringen, wenn er etwa 240 Stunden im Monat arbeitet. Steuern und Lohnnebenkosten sind in der Summe nicht höher als in Deutschland. Ich hätte bei diesem Bruttoverdienst beispielsweise Abgaben von insgesamt etwa 38% zu entrichten. Bei einem NOK/€ Kurs von etwa 8:1 kommt da eine ganze Menge netto raus. Rechnen kann ja jeder alleine, wenn er es kann. An dieser Stelle möchte ich meine ehemalige Berufsschulklasse grüßen…
So schnell wie möglich möchte ich meine Steuerkarte beantragen, damit ich den ersten Lohn auch am Ende des ersten Monats bekomme, da mich meine finanziellen Reserven bei den saftigen norwegischen Preisen für öffentliche Verkehrsmittel (außer Monatstickets) und viele Nahrungsmittel gerade mal über den Februar bringen können und die Mobilitätshilfen des deutschen Arbeitsamtes und der letzte Lohn des ehemaligen Arbeitgebers in Deutschland länger auf sich warten lassen, als geplant. Zum Glück haben meine ehemaligen Kollegen für den armen Josti gesammelt. Dieses Geld ist für mich im Augenblick Gold wert, denn es bedeutet jetzt den Unterschied zwischen wenigstens anständigem Essen und gar keiner Freude. In einer Mittagspause in der ersten Woche fährt mich Heino der Hanseate zum Likningskontor. Es sind lediglich einige Angaben auf der Vorderseite eines Formulars in A4 zu machen, die Sache dauert keine 10 Minuten, und schon ist die Steuerkarte und die vorläufige Personenkennziffer beantragt. Natürlich versteht hier auch jeder auf dem Amt Englisch. Die Wartezeit beträgt 0 Minuten. Interessanterweise halten die Norweger ihr eigenes System für extrem bürokratisch. Aber es haben sicher noch nicht viele von ihnen eine Zeit in Deutschland gewohnt. Im Internet hatte ich schon in Deutschland recherchiert, dass man seine Steuererklärung für das vergangene Jahr am Anfang des Folgejahres vom Finanzamt fertig ausgefüllt zugesandt bekommt und diese dann nur unterschrieben zurückschicken muss. Da das Finanzamt und eigentlich auch jede Privatperson sich mit der Personenkennziffer eines beliebigen Bewohners dieses wunderschönen Landes über dessen Einkünfte bei dessen Bank erkundigen kann, erübrigen sich Versuche der Steuerhinterziehung ohnehin. Das mag den Neid und Missgunst gewohnten Deutschen irritieren. Aber wenn die höchsten Gehälter gerade mal 30mal so groß sind, wie die niedrigsten Einkommen (in Deutschland beträgt der Unterschied bis zum 300fachen des niedrigeren Einkommens) und sich jede Putzfrau nach 10 Jahren ein eigenes Haus kaufen kann, interessiert sich eigentlich niemand für das Einkommen des Nachbarn. Es gibt auch nicht so viele Steuerberater hier…
Eines schönen Abends in der ersten Woche im Hyttepark lerne ich den Schweden Micha kennen. Das ist ein ziemlich unsympathischer Zeitgenosse, der sich die Zuneigung seiner Umgebung, die in diesem Falle aus Lagerarbeitern von Lidl und einigen polnischen Saison(Bau-)Arbeitern besteht, durch das Ausgeben von Büchsenbierrunden zu erkaufen versucht. Das Bier ist hier recht teuer, daher hat er damit Erfolg bei den Bauarbeitern. Ich trinke ja kein Bier und einen Finlandia oder einen Absolut hat er nicht im Angebot von gutem polnischen Wodka ganz zu schweigen. Daher lehne ich ab, an der Runde teilzuhaben. Wenn Micha seine Stirn in Falten legt, weil jemand nicht verstehen will, warum Schweden in allen Bereichen besser, größer und Schöner als Norwegen ist, erinnert er mich ein bisschen an meinen ganz persönlichen Gnatzkopf Michi, alter Schwede. Mein Michi ist wie immer schwer zu erreichen. Das ist sehr schade, denn es ist ein bisschen einsam hier, wenn man nicht auf Bauarbeiter steht. In der zweiten Woche beginnt die Situation, mir aufs Gemüt zu schlagen. Schließlich habe ich jetzt schon seit Anfang Januar keine gemütliche eigene Wohnung mehr und lebe mehr oder weniger zwischen den Stühlen aus einer Reisetasche. Deswegen, wegen der knappen finanziellen Mittel und wegen der Tatsache, dass es hier so gut wie keine Mietwohnungen gibt, die ich aber dringend bis zum ersten März brauche, wenn ich den Hyttepark nicht aus eigener Tasche bezahlen will, bin ich mit der Gesamtsituation unzufrieden. Es ist besonders bedauerlich, dass ausgerechnet in dieser Situation viele meiner Freunde aus Deutschland verreist sind, mit wichtigen Dingen beschäftigt sind oder schlicht kein vernünftiges Internet haben, denn die wenigen Telefongespräche mit vertrauten Menschen, die zustande kommen, bauen mich immer wieder sehr auf und sind im Augenblick nahezu die einzige Freude, die ich habe.
Mein erster Arbeitssonntag Ende der ersten Woche ist leider nur 6,75 Stunden lang. Das ist sehr schade, denn bei umgerechnet 32,22€ macht auch die langweiligste Arbeit ein bisschen Spaß. Ich male mir den ganzen Tag aus, was ich vom Einkommen meines ersten Monats alles kaufen kann. Die Vorfreude auf das Monatsende wächst. Die Arbeitstage scheinen aber mit der Zeit immer länger zu werden. Heute arbeite ich 12 Stunden ohne Pause, weil die Pause nicht mitbezahlt wird. Aber ich bin jung und brauche das Geld. Allerdings bin ich nach der Arbeit fix und alle zumal meine Mitfahrgelegenheiten an diesem Tag ausgefallen sind. Das bedeutet, dass ich zusätzlich zu den 12 Stunden harter körperlicher Arbeit heute etwa 2,5 Stunden bis zur Arbeit und noch mal 2,5 Stunden bis nach Hause in den Hyttepark brauche, von denen ich etwa insgesamt 3 Stunden meist verschneite Wege entlang laufen muss. Das geht ganz schön in die Beine. Zum Glück bin ich recht fit. Aber lange werde auch ich das nicht durchhalten. Schließlich ist man nicht mehr der Jüngste. Ich werde im nächsten Monat immerhin schon 27 Jahre alt und bekomme langsam einen Bart. Heiko, die Mutti für alle Neunorweger beziehungsweise Exdeutschem, sorgt sich um mich und will mich bei der Fete die er am kommenden Wochenende gibt, mit einer blonden Schwedin verkuppeln. Da habe ich natürlich nichts dagegen. Sind doch viele Skandinavierinnen im Gegensatz zu den meisten Deutschen alles in allem ganz sportlich. Hier wird Körperpflege von den Frauen nicht auf Körperhygiene und Klamottenkaufen reduziert. Man pflegt hier häufig den Körper tatsächlich, nicht nur Haut und Haare. Dafür laufen sie auch gern mit alten Schlabbertraingshosen in der Öffentlichkeit. Die Vorfreude verschwindet allerdings genauso schnell, wie sie gekommen ist, denn Heiko erklärt mir heute am Freitag vor der Fete, dass die schöne Schwedin überraschend just an diesem Wochenende arbeiten muss. Alles ist wie immer…
Aber zum Glück im Unglück fällt mir jede Menge Eisbergsalat nur beinahe auf den Kopf, als die große Palette durch einen ungeschickten Kollegen umgeworfen wird.

So hat auch dieser Tag etwas Positives. Nach der überraschenden Abreise von Heino, dessen Frau nun doch nicht mehr nach Norwegen ziehen will, ist Tobi meine einzige verbliebene Mitfahrgelegenheit. Er hat eines von diesen Zweimannsitzklos, die man nur schwer als vollwertiges Auto bezeichnen kann. Aber es bringt einen von A nach B. Und das ist im Augenblick für mich entscheidend. Zwar es kann auch schon einmal vorkommen, dass man während eines Plausches mit dem schwedischen Gnatzkopp Micha von der Straße rutscht und das Auto allein nicht mehr auf die Fahrbahn bekommt. Aber zum Glück arbeiten hier viele Saisonarbeiter. Heute sind ein paar deutsche Zimmerer zur Stelle, die sich hier als Billigarbeiter aus dem Süden ein paar Kröten verdienen wollen. Mit dem Kommentar: „Das ist doch Spielzeug!“ schieben das Klo wieder auf die Straße. Ich bin erleichtert…
Das gleiche Spielzeug ist es auch, dass just an zwei Arbeitssonntagen (100% Zuschlag) nicht anspringen will und mich und Tobi damit um einiges an Lohn bringt. Da hilft es auch nicht, das Auto eine kleine Anhöhe hinaufzuschieben um es dann wieder herunterrollen zu lassen, damit es anspringt. Das ist ärgerlich, denn ich bin noch fast genauso jung und brauche das Geld immer noch.
Nach etwa zwei Wochen, es ist jetzt Mitte Februar, bekomme ich meine Steuerkarte und meine vorläufige ID-Nummer. Nun kann ich mich aufmachen ein Konto bei einer norwegischen Bank zu eröffnen. Meine Internetrecherche in Deutschland hatte ergeben, dass ich in Norwegen keinen Reisepass benötige. Beim Versuch bei der hiesigen Postbank ein Konto zu eröffnen, werde ich eines besseren belehrt. Ich bekomme weder Kreditkarte noch Konto bei dieser Bank. Da ich aber ohne Konto keinen Lohn bekomme, wird mir etwas mulmig, denn ich möchte auf eine zweite Sammlung meiner Exkollegen verzichten. In dieser Situation sind Tobi und Heino zur Stelle und bringen mich zur DNB-NOR. Bei dieser Bank bekomme ich ein Konto gegen Vorlage der Steuerkarte mit ID-Nummer und des deutschen Personalausweises. Nun habe ich ein eigenes Konto in Norwegen. Ich bin sehr erleichtert.
Nun gilt es das letzte wichtige Problem im Februar zu lösen. Ich muss bis zum Ende des Monats eine eigene Wohnung gefunden haben, denn Lidl will mir den Hyttepark in Vestby nur bis zum Monatsende bezahlen. Außerdem ist der Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schweineteuer, wenn man keine Monatskarte hat. Für diese Strecke gibt es auch keine Möglichkeit ein Monatsticket zu erwerben, erfahre ich auf Anfrage bei Trafikanten (ein norwegisches Verkehrsunternehmen). Warum das so ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Da die meisten Afrikaner und Araber Kälte nicht besonders mögen, arbeiten bei uns im Frys außer einem Pakistani nur Deutsche. Denn Sibirier gibt es bei Lidl keine. Im Frys wird Tiefkühlware bei minus 28°C kommissioniert. Das ist nicht sehr angenehm. Da ich ein Deutscher und wahrscheinlich auch nicht gerade einer der langsamsten Kommissionierer hier bin, werde ich ab und zu im Frys eingesetzt. Aus dem „ab und zu“, wird aber schnell ein „ständig“. Das missfällt mir sehr. Um es genau zu sagen, es macht mich krank.

Denn mit meinen Schweißfüßen, die sich nicht von Temperaturen beeindrucken lassen, sondern einfach schwitzen, wenn es ihnen gefällt, kann ich nicht jeden Tag acht oder neun Stunden bei minus 28°C arbeiten. Es ist schlicht unmöglich. Nach einem Gespräch mit dem zuständigen Schichtleiter, kann ich erreichen, dass ich ab sofort nur noch in Ausnahmefällen im Frys arbeiten muss. Und schon ist die Welt wieder ein bisschen schöner.
Die Wohnungssuche gestaltet sich schwerer als ohnehin schon gedacht. Den ganzen Februar über finde ich nur zwei Wohnungsangebote, die für mich sowohl finanziell als auch geografisch als auch im Hinblick auf die Möglichkeit des Zuzuges meiner Katze in Frage kommen. Das erste ist eine kleine freistehende Hütte, sehr schön, mit eigenem Grillplatz und etwa 60 qm. Sie ist möbliert und zum sofortigen Einzug bereit. Derjenige, der wenige Stunden vor mir beim entsprechenden Vermieter angerufen hat und die Hütte sofort genommen hat, wird sich sicher über sein neues zu Hause freuen. Mir bleibt nur, weiter zu warten und zu suchen. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben habe, finde ich im Internet das Angebot, einen Hybel (Einliegerwohnung) in etwa 2,5 km Entfernung zu meiner Arbeit zu mieten. Ich rufe sofort an. Zwischen lautem Kindergeschrei erklärt mir eine ziemlich junge Stimme, dass die Wohnung noch zu haben sei. Ich mache einen Besichtigungstermin aus, der für mich nur noch eine Formalität ist. Ich will die Wohnung! Nach der Arbeit am nächsten Tag dusche ich auf der Arbeit kalt, weil das warme Wasser nicht funktioniert. Das ist sehr unangenehm bei ohnehin eisigen Außentemperaturen von weniger als minus 13°C. Aber es ist notwendig, denn ich will die Wohnung unbedingt und muss einen guten Eindruck hinterlassen. Pünktlich, wohlriechend und schick angezogen erscheine ich zur Besichtigung. Eine geschätzte 25 Jahre junge Frau stellt sich kurz vor und zeigt mir die Wohnung. Ich denke mir, das ist ja toll. Mein zukünftiger Vermieter hat ja ne schicke Tochter. Ich habe so einen hübschen Hintern in Dresden nur 2 oder 3 mal gesehen, in zweieinhalb Jahren! Sie zeigt mir die Wohnung, aber da ich diese ohnehin nehme, wenn ich sie bekomme, interessiere ich mich viel mehr für die Tochter des Vermieters. Es ist sowieso ein schöner Tag, denn ich bekomme nachdem ich ihr zu verstehen gegeben habe, dass ich die Wohnung wirklich brauche, trotzdem es noch andere Interessenten gibt, sofort den Zuschlag.

Mein Talent, bei Frauen ungewollt den Mutterinstinkt zu wecken, macht sich hier besonders bezahlt. Als ich das zweite Mal dort bin, um den Mietvertrag zu unterschreiben muss ich erfahren, dass dieses wunderschöne, attraktive, junge Mädel eine 38jährige allein erziehende Künstlerin ist. Ich bin Baff. Das hübscheste Mädel, dass ich in den letzten Jahren gesehen habe, ist eine 38jährige Frau. Sie hängt locker 95% aller 22jährigen Sächsinnen ab, was Attraktivität angeht. Das finde ich unglaublich. Aber sie geht auch 3 Mal in der Woche trainieren. Da kann man sehen, was gesunde Ernährung und ein bisschen Sport ausmachen. Ich wünschte mir, dass sich das auch bei der restlichen weiblichen Bevölkerung herumsprechen würde. Wir unterhalten uns mindestens 4 Stunden, ohne dass ich mich langweilen würde. Lediglich die Tatsache, dass ich irgendwann nach Hause in den Hyttepark muss, weil ich am nächsten Morgen arbeiten muss, hält mich davon ab, mich die ganze Nacht mit ihr zu unterhalten. Sie ist eine Klassefrau, wie sie noch nicht einmal im Buche steht. Sie ist Malerin, hat ihr eigenes Haus selbst entworfen, hat zwei Kinder, die sie allein erzieht und die sie nicht daran gehindert haben, genügend Sport zu machen und sich so gesund zu ernähren, dass sie eine tolle Figur hat. Sie war Fechterin, so gut dass sie zu den norwegischen Meisterschaften gehen sollte, was sie aber aus persönlichen Gründen abgelehnt hat, genauso wie sie es ihren Kindern zu Liebe abgelehnt hat bei der Camel-Trophy als Fahrerin mitzufahren. Hierzu hatte sie ein Angebot abgelehnt, das sie erhalten hatte, nachdem sie einem der Fahrer dieser Trophy locker hinterher gefahren ist, als der versucht hatte sie auf einem verschneiten Waldweg abzuhängen. Außerdem hat sie mit ihrem Team die Weltmeisterschaft im Spielen des Taktik-Shooters „Rainbow Six“ gewonnen. Ich glaube ich habe mich seit langer Zeit zum ersten Mal wieder verknallt. Tone ist eine Klassefrau, eine Superwoman. Warum gibt es nicht mehr davon und jüngere…

Solche Frauen müssten öffentliche Erziehungsaufgaben übernehmen und Vorbilder für die Jugend sein. Dann wäre die Welt auf jeden Fall zumindest für die Männer noch ein bisschen schöner.

März:

Ich ziehe nach Vinterbro, habe von nun an nur noch einen Arbeitsfußweg von etwa 30 Minuten und kann auf den öffentlichen Nahverkehr weitestgehend verzichten, wenn ich nicht gerade nach Oslo will. Die Wohnung ist bis auf die Kücheneinrichtung, die in der Miete enthalten war, ein paar Badmöbel und ein etwas zu kleines Bett, welches mir Tone freundlicherweise überlassen hat, leer. In der Stube und im Schlafzimmer habe ich keine Lampen. Das bedeutet, dass ich in einer recht dunklen Wohnung sitze, wenn die Sonne untergegangen ist. Wenigstens kann ich jetzt endlich einmal wieder Wäsche waschen, nachdem ich mir eine Waschmaschine in dem Elektronikladen im Einkaufszentrum um die Ecke gekauft habe. Es ist ein sehr angenehmes Gefühl, sich mit sauberen Handtüchern abzutrocknen. Aber so richtig weiß man das erst zu schätzen, wenn man einmal nur 5 Handtücher für einen ganzen Monat hatte. Ansonsten ist es einer der unangenehmsten Märze, die ich je erlebt habe. Der Tagesablauf sieht in diesem Monat meist folgendermaßen aus: Ich stehe etwa 6:30 Uhr auf, mache mich fertig und begebe mich dann auf den ca. 30minütigen Fußweg zur Arbeit. Ich arbeite dann im Schnitt 9 Stunden, meist ohne Pause, des lieben Geldes wegen. Die Arbeit ist langweilig, geht aber in die Knochen. Dann mache ich mich auf den 30minütigen Heimweg. Zu Hause angekommen, kann ich es mir dann in dem Gartenstuhl „gemütlich“ machen, was nicht wirklich eine Wohltat für die Knochen ist. Dann habe ich wenige Stunden, um den Feierabend zu „genießen“, weil die Sonne bald untergeht und meine Wohnung komplett dunkel wird. Es bleibt mir also nur, mich in der kleinen Küche aufzuhalten. Denn dort ist eine Lampe angebaut. Abends lege ich mich dann in das etwas unbequeme Bett und schlafe dann mehr schlecht als recht, um am nächsten Tag von vorn zu beginnen.
Allerdings wird der triste Alltag manchmal durch kleine, nette Begebenheiten aufgeheitert. So antwortete der Logistikchef von Lidl in Norwegen, als ich ihn beim Reinigen eines Feuerlöschers ertappte, auf meine etwas spöttische Frage: „Putzen sie heute selber?“ hin: „Natürlich putze ich den selber, denn keiner putzt so gut wie ich.“ Überhaupt geht alles sehr locker zu. Es gibt sehr flache Hierarchien. Nur einigen Deutschen in Führungspositionen merkt man sofort ihre Herkunft an. Der norwegische Logistikleiter setzt sich schon mal selbst auf den Stapler oder klettert am Hochregal hoch, um zu schauen, ob der Fisch noch frisch ist, während den deutschen in ähnlichen Positionen am wichtigsten scheint, das die Krawatte ordentlich sitzt und man jaa auf den ersten Blick sieht, dass sie „wichtig“ sind. Ich bin froh, jetzt in Norwegen zu sein. Es ist sicher auch in der „deutschen Art“ der Unternehmensführung begründet, dass Lidl von den Norwegern nicht gemocht und deshalb auch nicht so sehr gut angenommen wird. Aber die direkten Vorgesetzten sind alle Norweger, und das ist gut so.
Die Norweger sind im Allgemeinen, wie es ein alter Kumpel neulich treffend formuliert hat, „ausgeglichen und an Körper und Geist gesund“. Die allermeisten sind offen, tolerant und nett jedermann gegenüber, auch wenn sie eigentlich fast alle auf den ersten Blick etwas kühl erscheinen. Aber ein oder zwei Sätze auf norwegisch lassen eigentlich fast jeden Norweger vor Freude erstrahlen. Es scheint so, als sähen diese Menschen, die sehr stolz auf ihr Land sind, es für den sichersten, schönsten und lebenswertesten Ort auf der Welt halten, darin eine Art Wertschätzung und Anerkennung der norwegischen Kultur. Allerdings ist dies sicher in vielen Ländern der Fall.
Meinen Geburtstag, den ich allein auf einem Gartenstuhl in einer dunklen Wohnung verbringe, würde ich doch glatt einfach vergessen, wenn ich nicht einige Emails, SMS und einen Anruf bekommen würde. Das Michi nicht einmal an diesem Tag Zeit für mich hat, macht mich etwas traurig. Aber zumindest hat es für eine SMS gereicht. Darüber, dass sich zumindest meine Großeltern telefonisch melden, freue ich mich besonders, denn es ist schon ziemlich einsam hier, wenn man niemanden näher kennt und auch nicht wirklich das Geld hat einmal auszugehen. Meine Computerspiele werden mit der Zeit doch langweilig und der massive Kommunikationsmangel macht sich bemerkbar. Ich ertappe mich immer öfter bei Selbstgesprächen, irgendwann so oft, dass ich beginne, mir Sorgen um mich zu machen. Aber ich sage mir immer wieder, dass es ja nur noch ein paar Wochen sind, dann kann ich beginnen, hier tatsächlich zu leben. Um in der Freizeit wenigstens ein bisschen Kommunikation mit anderen Menschen zu haben, beginne ich mit Norwegern zu chatten. Zunächst lasse ich die Norweger norwegisch schreiben und antworte auf Englisch. Nach gut anderthalb Wochen beginne ich, auch auf Norwegisch zu antworten. Kurze Zeit später bin ich in der Lage komplett auf norwegisch zu chatten. Leider spricht jeder Norweger anders. Es gibt unglaublich viele Dialekte hier. Manchmal macht es den Eindruck, dass jeder Norweger seinen eigenen Dialekt hat. Viele Gelegenheiten, norwegisch zu hören habe ich nicht, denn auf der Arbeit führe ich fast alle Unterhaltungen auf Deutsch oder Englisch.
Die Möbel, die ich Anfang März bei IKEA bestellt hatte kommen Ende März an. Endlich eine Couch, auf der man den Feierabend etwas genießen kann. Zwei Barhocker als Sitzgelegenheiten zwei Couchtische und eine schöne, große Matratze, die mir die Nächte fortan sehr viel angenehmer machen soll, füllen die Wohnung nun etwas aus und machen so etwas wie einen Feierabend überhaupt erst möglich.

Den Kleiderschrank kann ich noch nicht zusammenbauen, weil IKEA einige Kleinteile nicht mitgeliefert hat. Also muss der Schrank noch zwei Wochen warten, bis er in seiner ganzen Pracht erstrahlen kann, beziehungsweise bis ich in seiner ganzen Pracht erstrahlen kann, denn er hat ja komplett verspiegelte Türen und da er genau gegenüber meinem Bett steht, kann ich mir jetzt selbst beim Schlafen „zusehen“. Ich wusste gar nicht, dass ich so schön bin, wenn ich schlafe…
An dieser Stelle, wir waren gerade bei außergewöhnlich schönen Menschen, möchte ich noch einmal ein Wort über Norweger im Allgemeinen verlieren. Es ist unglaublich für jemanden, der fast 27 Jahre in Deutschland, dem Land der „dicken“ Europäer, gewohnt hat, wie ich nun auch den Nachrichten entnehmen kann, aber es gibt hier in Norwegen tatsächlich so gut wie keine fetten Kinder! Den Eltern und dem Bildungs- und Erziehungssystem sei Dank, bekomme ich hier nur noch ganz selten Augenschmerzen, obwohl sich gleich nebenan eine Schule befindet.

April:

Endlich habe ich so viel Geld auf dem Konto, dass ich beim Einkauf nicht mehr jede Krone umdrehen muss, aber große Sprünge kann ich noch immer nicht machen. Dennoch komme ich der norwegischen Lebensnormalität spürbar mit Riesenschritten näher. Zwar habe ich immer noch keine Lampen in den Zimmern und es fehlen diverse Kleinmöbel und Geräte, aber ich habe jetzt einen halbwegs normalen Alltag. Inzwischen habe ich auch einen ersten Freund hier in Norwegen, mit dem ich mich kjempebra verstehe. Auf die Frage hin, woher er denn komme, erklärt er mir, dass er ein Mix sei. Er wäre zum Teil Jemenite, Äthiopier und ein großer Teil seiner Familie wäre indisch. Vielleicht fällt es Akram deshalb so leicht mit allen möglichen kulturellen Eigenheiten der Kollegen umzugehen. Ich finde seine offene und tolerante Art wunderbar. Wir passen gut zusammen. Allerdings hat er das Problem, dass er nur Asylbewerber ist, und daher nicht alle Vorteile des norwegischen Lebens genießen kann. Häufig erklärt er mir folgendes: "I would like to get a nice woman. But this is difficult for me. Because the norwegian woman want always to test the fuck before they want to get married with a man. If the fuck is good, you can get married with the woman, if the fuck is not got, you have no chance. But I can`t fuck before the marriage. Because I`m Muslim. So what can I do?" Diese ziemlich pragmatische herangehensweise der norwegischen Frauen scheint in der Tat ein ziemliches Dilemma für ihn zu sein. Auch wenn er eine sehr witzige Art hat, von dem Thema zu reden. An dieser Stelle passt der Hinweis, dass die durchschnittliche Ehe in Norwegen nur 2 Jahre hält, was hier mit Sicherheit kein Nachteil für die Frauen ist. 

Mir fällt es allerdings nach wie vor schwer, die Freizeit zu genießen. Mitte April besucht mich mein Michi hier in Norwegen. Nachdem er mir vorher mitgeteilt hat, eventuell nach Norwegen nachzukommen, besorge ich ihm einen Termin für ein Vorstellungsgespräch bei unserem Lagerleiter. Dass Michi so kurz entschlossen nach Norwegen nachkommen will, macht mich zunächst stutzig und skeptisch. Aber seine scheinbare Entschlossenheit lässt mich tatsächlich glauben, dass er es ernst meint. Allerdings beginnt er schon bald heftig zurückzurudern und zu relativieren. Als er endlich da ist, bin ich sehr glücklich ihn zu sehen und um mich zu haben. Aber mir ist schon nach dem ersten Tag klar, dass er nicht herziehen will. Es war wieder eine Idee, ein Träumchen, dessen Erfüllung zu viel Arbeit gemacht, zu viel Investition verlangt und zu viel Risiko bedeutet hätte. Das Vorstellungsgespräch ist für ihn nur noch Formsache, ohne dass er dies äußern würde. Lediglich der Ausflug nach Oslo bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen warmen Temperaturen lässt ihn noch einmal kurz zweifeln. Ungläubig sitzt er mit mir im Park und schaut sich die an Geist und vor allem Körper gesunden Frauen an, die den Männern zahlenmäßig um einiges überlegen scheinen.

Da es für mich auch der erste Ausflug nach Oslo ist, sitze ich staunend neben ihm. Es ist so warm, dass ich schon während des bloßen Sitzens zu schwitzen beginne. Abgesehen von den Menschen ist Oslo aber nicht schöner als andere Städte dieser Größe. Etwas verwirrend ist die Haltestellensituation der Busse rund um den Hauptbahnhof. Es gibt fast genauso viele Haltestellen wie Buslinien am Hauptbahnhof halten. Diese sind rund um den Hauptbahnhof verteilt und man findet nirgends einen Hinweis, wo welcher Bus hält. Also heißt es, wenn man einen bestimmten Bus sucht und die Lage der Haltestelle nicht kennt, um den Hauptbahnhof herumlaufen und suchen, bis man die richtige Haltestelle gefunden hat. Mit viel Gepäck vom Flughafen kommend, stelle ich mir das etwas unangenehm vor. Das wiederum bedeutet, dass ich alle Besucher zumindest beim ersten Besuch vom Hauptbahnhof abholen werde müssen. Die Woche mit Michi ist sehr schön, nicht nur weil er ein toller Hausmann und Fahrradmechaniker ist, sondern weil es schön ist wenigstens einige Tage seinen besten Freund um sich zu haben, nach dem man im Prinzip zweieinhalb Monate ganz allein gewesen ist. Es ist schön mich mit ihm zu streiten, wie es nur in langjährigen Ehen vorkommt. Es ist auch schön, mit ihm zu lachen, während wir an einem Abend fast die kompletten ersten beiden Staffeln „Stromberg“ schauen. Es ist aber schade, dass er nach der knappen Woche wieder fährt. Dennoch nehme ich aus diesem Besuch viel Kraft für die nächsten Wochen mit.
Eine weitere sehr positive Veränderung, die der Besuch Michis mit sich bringt, ist, dass ich mein geliebtes und zu seiner Zeit im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde abgespartes Rennrad bei mir habe. Ich fühle mich in den folgenden Tagen wieder ein erhebliches Stück mehr wie „zu Hause“, bevor auch dies zur Normalität wird. Außerdem bringt es erhebliche Erleichterungen mit sich. Alle Wege sind mit einem Rennrad wesentlich kürzer als zu Fuß. So verkürzt sich der Weg zur Arbeit von 30 Minuten auf 10 Minuten, der Weg nach Hause durch das starke Gefälle gar auf unter 5 Minuten. Dadurch verlängert sich die Freizeit natürlich entsprechend, was die Lebensqualität wesentlich erhöht. Immer noch arbeite ich im Durchschnitt an 6 Tagen pro Woche. Im April bringe ich es so auf 220 Arbeitsstunden. Leider konnte ich ausgerechnet an Ostern nicht arbeiten, weil ich durch eigenes Verschulden nicht eingeplant bin. Durch diese zusätzlichen Arbeitsstunden und die entsprechenden Feiertagszuschläge wären noch einige tausend Kronen mehr drin gewesen.

Mai:

Der Mai beginnt genauso schön, wie der April aufgehört hat. Das Wetter ist traumhaft. Es gibt kaum Niederschläge hier, allerdings, wenn es regnet, dann schüttet es wie aus Eimern. Ich finde diese Lösung des Wetters optimal, obwohl ich zugeben muss, dass die Norweger hierfür nichts können. Das Wetter ist von ganz allein klasse.

Ich freue mich für meinen ältesten Freund Villi und seine immer fröhliche Anne, die mich im Mai für drei Tage besuchen werden. Sie werden ein tolles Land mit toller Natur und das auch noch bei tollem Wetter erleben. Kurz vor deren Ankunft versuche ich meine Wohnung trotz des Möbelmangels ein bisschen auf Fordermann zu bringen. Am Abend der Ankunft, es ist wie immer den ganzen Tag herrliches Wetter gewesen, bin ich wie eh und je viel zu spät dran und muss mich sputen um den Bus zum Hauptbahnhof noch zu erreichen. Jetzt heißt es, nur nicht zu spät kommen. Denn das würde bedeuten, dass wir für die Rückfahrt den teuren Nachtbus nehmen müssten auf den wir auch noch eine komplette Stunde warten müssten. Auf dem Weg hin zum Hauptbahnhof treffe ich an der Bushaltestelle die beste Freundin der Tochter meiner Vermieterin mit einer kleinen Horde Mädels. Nachdem sie mir ziemlich angetrunken erläutert hat, dass man sich eine neue Flasche Bier nehmen müsse, wenn die alte leer sei, und jene leere Flasche ruhig in dem Busch neben der Haltestelle entsorgen könne, verabreden wir uns für den Sonntag bei mir und meinen Besuchern, um ein bisschen zu feiern. Im Bus wird erwartungsgemäß viel gesungen und gelacht. In Oslo angekommen und den Bus gerade verlassen, erläutert mir eines der Mädels mehrmals mit charmantem aber angetrunkenen Lächeln, dass es ihr eine Freude war, mich kennen zu lernen. Ich bekunde ebenfalls meine Freude darüber, was sie aber nicht davon abhält es immer und immer wieder zu wiederholen. Aber ich habe gar keine Zeit. Der Bus wartet nicht, Villi und Anne sicher schon. Diese beiden Umstände zwingen mich, mich schnell zu verabschieden und zum Bahnhof zu laufen. Ich finde weder Villi noch Anne. Der Bus fährt in 10 Minuten. Nervös wird per Handy der gegenseitige Standort ausgetauscht und ein Weg zueinander gefunden. Da sind sie. Villi schleppt riesige Taschen mit sich herum, fast alles davon ist für mich. Anne trägt nicht nur auch schweres Gepäck mit sich herum, sondern auch ein Gesicht, das mich schockiert. Ich habe Anne noch nie nicht lächeln gesehen. So ein dermaßen wütendes Gesicht habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen, vielleicht noch nie. Sicher spielt für diesen Eindruck auch die Tatsache eine Rolle, dass ich sie immer nur fröhlich, nett und positiv erlebt habe. Angesichts der Tatsache, dass sie Kampfsportlerin ist, bin ich zurückhaltend. Mutig sage ich: „Hallo“ und strecke zur Begrüßung die Hand aus und um meine Tragebereitschaft des Gepäckes wegen zu signalisieren. „Nee, Jost!“ schallt es eine verbale Ohrfeige zurück. „Nimm Villi was ab, der rennt hier mit 30 kg Gepäck im Dauerlauf durch den ganzen Bahnhof!“ Ich gehorche dem Befehl. Wir rennen zum Bus. Vorsichtig betrachte ich Annes Gesicht von der Seite und suche nach Hinweisen auf Entspannung der Lage. Nichts davon zu sehen. Da ich seit fünf Jahren keine Freundin habe, ist dieser Gesichtsausdruck für mich fremd geworden und schüchtert mich etwas ein. Andererseits bin ich in diesem Augenblick für einen Moment auch etwas froh über mein Singledasein. Im Bus sitzt mir die schlechte Laune gegenüber. Ich versuche keine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Aber nachdem ich Villi gegenüber auch für Anne hörbar meine Hoffnung auf Entspannung der Situation geäußert habe, beginnt die Plaudertasche Anne mit Unterstützung von Villi, welcher Anne aber immer um zig Worte pro Minute unterlegen ist, zu erklären, dass der ganze Tag stressig gewesen sei und die 800 Meter am Hauptbahnhof vielleicht nur die Tropfen gewesen seien, für die das Fass zu klein gewesen sei. Ich bin mindestens genauso erleichtert, wie sich die Gesichtszüge von Anne nun entspannen. Ich bin voller Hoffnung auf ein schönes Wochenende. Am Abend wird nur noch die Wohnung besichtigt, geplaudert und es werden Fotos angeschaut. Trotzdem ist es weit nach 2 Uhr nachts als das nicht vorhandene Licht ausgeschaltet wird.
Nach einem Frühstück machen wir uns am nächsten Vormittag tatendurstig auf den Weg nach Oslo. Es ist traumhaftes Wetter, ein richtig schöner Tag. Wir schauen uns die Altstadt, das Zentrum und den Rathausplatz an. In „Storbyen“, einem großen Einkaufszentrum bekommt Jost noch ein paar ordentliche Klamotten verpasst, bevor wir uns auf die Festungsanlage von Oslo begeben. Ein traumhafter Ausblick bietet sich uns. Fotos werden geschossen und wir beschließen, am nächsten Tag eine Fjordrundfahrt mit einem der Ausflugsschiffe zu machen.

Einige Stunden dauert der Ausflug, dann begeben wir uns wieder nach Vinterbro. Hier bekomme ich nur mein erstes richtiges Mittagessen seit Monaten. Es gibt Kartoffeln mit Brokkoli und „Kjøttkaker“, wobei mir verboten wurde, den Namen der fleischähnlichen Zutat während dem Essen auszusprechen. Übersetzt heißt es etwa „Fleischkuchen“, aber es hört sich für deutsche Ohren vielleicht ein bisschen unfein an.
Abends wollen wir in die Stadt. In einem Club mit Live-Musik wollen wir das Osloer Nachtleben genießen. Es kann sehr teuer sein, in Oslo auszugehen. So auch an diesem Abend. Trotz dem wir eigentlich sparsam sind, geben wir insgesamt pro Person für Fahrt, Eintritt, Garderobe und Getränke etwa 350,- Kronen aus. Aber der Abend ist gelungen, die Musik ist toll, kein Mensch raucht. Selbst als wir nachts nach Hause fahren sind die Temperaturen milde und der Sonnenuntergang geht fließend in den nächsten Sonnenaufgang über.
Am nächsten Morgen wollen wir zeitig aufstehen, um rechtzeitig für eine Fjordrundfahrt nach Oslo zu kommen. Vorher wollen wir uns noch ein ausgiebiges Frühstück gönnen. Anne bemängelt, dass die Eier zu weich seien. Villi und ich essen unsere Frühstückseier unbekümmert weiter, während Anne das ihre zur Seite legt.

Als wir uns auf den Weg machen wollen und ich wieder viel zu langsam bin, was unweigerlich den üblichen kleinen Sprint zum Bus zur Folge haben wird, entschließt sich Anne schon einmal vorzugehen, weil sie es eigentlich nicht sehr mag, immer zum Bus zu rennen. Im Bus melden sich bei Villi und mir die Eier zurück. Während sie meinem abgehärteten Magen lediglich ein kleines Grummeln abringen können, wird Villi ziemlich schlecht. Trotzdem setzen wir unsren Weg zum Hafen fort. Dort angelangt wird Villi dermaßen übel, dass wir uns entschließen, die Rundfahrt auf den nächsten Tag zu verschieben und trotz wunderschönen Wetters unverrichteter Dinge die Heimreise anzutreten. An diesem Tag machen wir lediglich noch einen kleinen Spaziergang zum nahe gelegenen See. Hier finden wir heraus, dass die am Strand im Wasser mit Steinen verankerte Plane, die ich für eine Umweltsünde gehalten hatte, wohl der Sicherheit beim Baden dienen könnte, weil der Untergrund vermutlich einigermaßen felsig sein dürfte. Mit einer Partie „Candamir“ beschließen wir den Abend, nachdem sich die Ankündigung der besten Freundin der Tochter der Vermieterin, vorbei zu kommen und ein bisschen mit uns zu feiern, wohl als eine Luftnummer herausgestellt hat.
Am Montag geht es Villi wieder spitze aber dafür hat das Wetter scheinbar an diesem Morgen so richtig weiche Eier gehabt. Es ist nasskalt und diesig. Wenn man sich ins Freie begibt, kriecht einem die feuchte Kälte so richtig in die Knochen. Villi und ich können uns leicht mit einer Partie Civilization trösten, während Anne gelangweilt einschläft. Aber zu einem Spaziergang durch den Ort können wir uns noch durchringen und bewundern die tollen Häuser, die zum Teil recht teuer aussehen und es wohl auch sind.
Am nächsten Tag verabschieden wir uns bereits am frühen Morgen, weil ich arbeiten muss und Anne und Villi am späten Nachmittag die Heimreise antreten müssen, aber nicht ohne sich vorher doch noch eine kurze Oslo-Fjordrundfahrt zu gönnen.

Dieser Kurzbesuch der beiden war für mich ebenfalls wie ein kleiner Urlaub. Und ich nehme wieder viel Kraft für die nächsten Wochen mit.

Juni:

Einen großen Teil dieser Kraft benötige ich gleich in der folgenden Woche, in der ich feststellen muss, dass Regenwasser von außen in mein Schlafzimmer eindringt. Bei näherer Betrachtung eines dunklen Flecks an der Wand stelle ich fest, dass es sich um Schimmel handelt. Es ist nur ein kleiner Fleck an der Wand, aber meine Matratze, die noch immer auf dem Boden liegt, weil ich noch kein Bett habe, hat viel Wasser aufgesaugt und ist von unten schon ziemlich verschimmelt. Das bedeutet, dass ich fortan wieder auf der Couch schlafen muss, was die Lebensqualität wieder erheblich senkt. Ich schreibe eine e-Mail an meine Vermieterin, die daraufhin die Wand abdichtet und mir versichert, dass sie mir die Matratze bezahlen wird. Ihr Freund gibt mir den Hinweis, dass ich die Matratze einfach zu den Altpapiertonnen stellen könne. Auf die Frage hin, ob das denn überhaupt erlaubt sei, antwortet er nur: “… nachts, wenn es dunkel ist, …“
Da ich aber kein Auto habe und die Matratze ziemlich schwer ist, bleibt sie nun zwei Wochen in dem Zimmer liegen, bis Villi und ich mit dem Umzugsauto kommen. Dann werden wir die Matratze leicht entsorgen können.
Die Planungen für den Umzug haben schon etwa vor 4 Wochen begonnen. Eigentlich hatten sie schon in Dresden begonnen, denn dort war ich mit meiner Tiger dreimal beim Tierarzt, um sie impfen und entwurmen zu lassen. Nun ca. 120 Tage später muss die Blutuntersuchung erfolgen, nach der Entnahme des Blutes habe ich 10 Tage Zeit mit der Katze über die Norwegische Grenze zu gelangen. Sollte es länger dauern, muss die Blutuntersuchung wiederholt werden. Die Tatsache, dass ich mich in einem anderen Land befinde als meine Katze, dass ich nur ein begrenztes Budget und wenig Zeit habe, dass ich mir nicht mehr als 2 Tage extra frei nehmen möchte und dass in Deutschland neben dem Umzug sowohl ein Besuch beim Standesamt ansteht, um eine Geburtsurkunde zu besorgen als auch ein Termin beim Zahnarzt, um eine vermeintlich lockere Krone wieder zu befestigen, verlangen eine exakte Planung. Diese logistische Meisterleistung gelingt mir nur mit Hilfe einiger Freunde. Katrin traut sich Tiger in eine Katzenbox zu stecken und mit ihr zum Tierarzt zu gehen, Villi geht persönlich zur Autovermietung und besorgt den Wagen. Außerdem wird er das Auto bis nach Norwegen fahren.

Meine Großeltern sorgen für einige Verpflegung und dafür, dass das Beladen des Wagens schnell von statten gehen kann. Außerdem hatten sie in den letzten Monaten diverse Pakete und sonstige Post entgegen genommen, darunter auch meine neue etwa 50 Kilo schwere kombinierte Klimmzug, Dip-, Liegestütz- und Kniehebestation, die für einen vernünftigen Körperbau unabdinglich ist. Diese wird künftig mein Wohnzimmer schmücken. Alles klappt wie am Schnürchen. Der Zeitplan ist eng, aber es gelingt ihn einzuhalten. Die böse Überraschung kommt beim Tierarzt. Das Ergebnis der Blutuntersuchung ist noch nicht da. ca. 190,-€ hatte ich in den Zierarzt investiert, um alle Zollvorschriften zu erfüllen…und nun dies! Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:
1. Ich kann den Umzug abblasen. Die bereits entstandenen Kosten wären vergeblich, Michi würde mich umbringen, wenn ich die Katze nicht endlich aus seiner Wohnung entferne und ich hätte noch mehr Tierarztkosten.
2. Ich könnte die Katze schmuggeln. Wenn ich nicht erwischt werde, ist alles gut. Wenn ich erwischt werde, kommt Tiger in Quarantäne und ich darf einen Batzen Geld abdrücken. Außerdem müsste die Katze dann in Schweden oder Norwegen, je nach dem, wo ich erwischt würde, beim Zoll abholen, was mich ohne eigenes Auto wieder von fremder Hilfe abhängig macht.
Getreu dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“, entscheide ich mich für die zweite Variante. Auch, weil ich nicht alles noch einmal planen möchte und weil die erste Variante neue massive Unterstützung einiger Freunde bedurft hätte.
Nachdem ich die Geburtsurkunde bekommen, einige Freunde getroffen und den Zahnarzt bar bezahlt habe, kann es losgehen. Wir wollen zunächst nach Hamburg fahren und dort mit der Fähre nach Kopenhagen übersetzen. Doch unser Navigationsgerät führt uns nach Rostock Warnemünde. Aber wir haben Glück und müssen auch hier keine 15 Minuten auf die nächste Fähre nach Kopenhagen warten. Während der Überfahrt muss die Katze allein im Auto bleiben. Aber Tigerli ist sehr tapfer und übersteht das ganz großartig. In Kopenhagen angekommen fahren wir über die Öresund-Brücke nach Schweden. Am Grenzübergang erleben wir den ersten spannenden Moment. Ein netter Herr auf dessen Jacke „Tull“ steht bittet den Wagen neben uns zur Kontrolle. Aber er ist allein, und so werden wir nicht kontrolliert. Die erste Hürde ist überstanden. Meine polnische Tiger ist wieder illegal über eine Staatsgrenze gelangt. Allerdings eigne ich mich sicher nicht zum erwerbsmäßigen Schmuggler, denn ich war alles andere als gelassen, als ich den Zollbeamten gesehen habe. Die einzige Schwierigkeit, die Schweden noch für uns bereithält, ist die etwas beschwerliche Suche nach einer Tankstelle in Göteborg. Als wir uns der schwedisch-norwegischen Grenze nähern rufe ich Tobias an. Er verrät mir einen Umweg nach Norwegen, an dem aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Zollkontrolle stattfindet. Also biegen wir wenige Kilometer vor der Grenze von der E6 ab und fahren etwa 30 km nach Norden. Über kleinere Straßen nahezu ohne jeglichen Verkehr fahren wir über die Grenze. Dass wir nun in Norwegen sind, bemerken wir lediglich an den Verkehrszeichen, die in Norwegen etwas anders aussehen als in Schweden. Wenige Stunden später sind wir Vinterbro. Nun müssen wir lediglich noch die verschimmelte Matratze, die in meinem Schlafzimmer auf uns wartet, entsorgen. Da es nur eine Stunde annähernd dunkel ist, haben wir kein großes Zeitfenster. Aber für zwei so abgezockte Schmuggler ist eine illegale Entsorgung einer verschimmelten Matratze neben einem Glascontainer eine Kleinigkeit. Endlich hat Josti seine geliebte Tigerli wieder bei sich.


Juli:

Als ich nach den 4 „freien“ Tagen wieder auf der Arbeit erscheine, haben wir einen neuen Abteilungsleiter. Dieser hat einen extrem unkonventionellen Führungsstil. Aber er hat ein gutes Verständnis von Menschen. So erkennt er noch am ersten Tag, dass meine Fähigkeiten deutlich über das hinausgehen, was man zum Kommissionieren braucht. Natürlich habe ich ihn bei dieser Erkenntnis durch einige Hinweise und laut ausgesprochene Gedanken unterstützt. Sonst hätte er am Ende noch einen weiteren Tag gebraucht. So aber haben wir gleich am ersten Tag ein dreistündiges Gespräch nach der Arbeit, als deren Folge ich ab sofort Schichtleiterassistent bin. Als mein Schichtleiter etwa 2 Wochen später für drei Wochen in den Urlaub fährt, ist es an mir, ihn in dieser Zeit zu vertreten. Ich lerne viel und schnell dazu, was wiederum zur Folge hat, dass noch während mein Schichtleiter im Urlaub ist, beschlossen wird, dass ich seine Position ganz übernehmen soll. Zu diesem Zweck werde ich nach Deutschland zu einer Schulung geschickt. Und mein ehemaliger Chef wird mich während dieser 6 Wochen vertreten. Was er danach macht, ist noch nicht entschieden. Die wichtigste Aufgabe für mich ist jetzt, norwegisch so gut zu lernen, dass ich auch mit Norwegern telefonieren kann, die unmögliche Dialekte haben, gern nuscheln und manchmal auch kein Englisch sprechen oder sprechen wollen.
IKEA hat sich überall den Ruf, fehlerfrei zu Liefern und verständliche Bauanleitungen mit der Ware mitzuliefern (Achtung: Ironie!). Aber in Norwegen scheinen solche Dinge Methode zu haben. Mein Bett kann ich zwar zur Lieferung nach Hause bestellen, aber nur ohne Lattenrost, das muss ich in einer IKEA – Filiale persönlich kaufen. Meinen Wohnzimmerschrank kann ich auch bestellen, aber nur ohne die Füße. Auch diese muss ich persönlich in einer der beiden Filialen kaufen, die sich in der Nähe von Oslo befinden. Zu jeder dieser Fialen benötige ich etwa 1,5 Stunden. Wahrscheinlich weil alle Norweger viel Zeit zum Einkaufen haben, macht sich IKEA nun den Spaß die Schrankfüße in der einen Filiale ausverkauft sein zu lassen und das Lattenrost in der anderen Filiale.

So bin ich zwei Tage je 4 Stunden unterwegs, die Teile für Bett und Schrank zu kaufen, die ich eigentlich nach Hause hatte liefern lassen. Aber zu guter Letzt habe ich alles da und kann mit dem Aufbau beginnen. Das ist auch unbedingt notwendig, denn schon 2 Tage später bekomme ich den nächsten Besuch aus Deutschland. 12 Stunden am Tag arbeiten, danach Schränke und Betten aufbauen und zu IKEA reisen, das kostet viel Zeit und Kraft. So komme ich in diesen Tagen über 5 Stunden Schlaf nicht hinaus. Auch die Tatsache, dass ich nun in den nächsten 10 Tagen zweimal hintereinander Besuch bekomme, verhilft mir nicht zu mehr Schlaf.
Durch die letzte Lohnabrechnung des ersten halben Jahres erfahre ich, dass meine Steuerkarte nur 6 Monate gültig war. Jetzt darf ich bis zum Erhalt der neuen Steuerkarte 50% Steuern zahlen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass ich nun als Gruppenleiter etwas weniger Gehalt bekomme, als ich vorher als Kommissionierer Lohn bekommen hatte, sorgen für eine spürbare Absenkung der monatlichen Geldeingänge. Zwar wird diese Einbuße durch eine nicht unerhebliche Steuerrückzahlung im nächsten Jahr und ein 13. und ein halbes 14. Monatsgehalt aufgefangen werden, aber in den nächsten Monaten muss ich den Gürtel wieder etwas enger schnallen. Allerdings sind norwegische Gürtel ja auch etwas weiter… Im August und September werde ich nun zur Einarbeitung als Schichtleiter in der Nähe von Berlin arbeiten, bevor ich wieder nach Norwegen zurückkehre.

Ende!